Sound im Meer:

Fische sprechen bereits seit 155 Millionen Jahren miteinander

Mag. Silvia Stefan-Gromen

In einer neuen Studie haben US-Forscher untersucht, wie lange Fische schon über Klänge miteinander kommunizieren. Die neuen Ergebnisse geben spannende Einblicke in die Kommunikation und Art der Sounds von Fischen.

Von einigen Fischarten ist schon lange bekannt, dass sie sich durch bestimmte Mechanismen unter Wasser Gehör verschaffen. Die vielen unterschiedlichen Klänge der „gesprächigen“ Fischarten dienen meist der Revierverteidigung, der Partnersuche oder zur Abschreckung von Rivalen. „Wir wissen schon lange, dass einige Arten Geräusche machen“, sagt Aaron Rice von der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York. „Diese Fähigkeiten wurden jedoch bisher als eher seltene Kuriositäten wahrgenommen“. Über die akustische Kommunikation bei Fischen ist bisher relativ wenig bekannt, da sie sich vergleichsweise schwierig untersuchen lässt.

Im Fokus der Forscher standen die Strahlenflosser (Actinopterygii), die rund 99 Prozent der bekannten Fischarten ausmachen. Das Team erfasste Hinweise auf Laute bei Fischarten aus der gesamten wissenschaftlichen Literatur sowie gezielt aus Studien, die sich bereits konkret mit dieser Fähigkeit bei bestimmten Spezies befasst haben. Die Ergebnisse sind verblüffend, denn die Forscher fanden heraus, dass etwa 175 Fischgruppen dazu in der Lage sind, Geräusche zu erzeugen – dies umfasst rund zwei Drittel aller Fischarten. Die Analysen der mit Tönen verbundenen körperlichen Merkmale ergaben, dass bei den meisten dieser Gruppen Muskeln zur Tonerzeugung dienen, die an die Vibration der Schwimmblase gekoppelt sind. Viele Arten bewegen auch bestimmte Skelettteile gegeneinander, um knarzende Töne zu erzeugen.

Das Team will sich nun auch weiterhin diesem Forschungsthema widmen und die Datensammlung zu den „gesprächigen“ Fischarten immer mehr erweitern. Fischen zuzuhören sei wichtig, so die Forscher: „Ihre Lautkommunikation wurde vergleichsweise wenig beachtet, obwohl Fische mehr als die Hälfte aller lebenden Wirbeltierarten ausmachen“, sagt Co-Autor Andrew Bass von der Cornell University.

Link: www.youtube.com/watch?v=BF6SveIctJs

Quelle: Cornell University, Fachartikel:
Ichthyology & Herpetology, doi: 10.1643/i2020172
http://dx.doi.org/10.1643/i2020172