Digitalisierung:

„Einzellösungen sind ein auslaufmodell“

Mag. Silvia Stefan-Gromen

Die Tierärzte Dr. Karl Pauritsch und Mag. Rainer Greilberger machten aus der Not eine Tugend: Da sie regelmäßig an ihre (technischen) Grenzen stießen, gründeten sie selbst ein Softwareunternehmen und bieten seither cloud­basierte Praxislösungen an.

„An der smarten Tierarztpraxis führt kein Weg vorbei, und mit Einzellösungen kommen wir im Zeitalter der Digitalisierung nicht voran“, konstatiert Dr. Karl Pauritsch, Tierarzt und Unternehmensgründer der Jason Network GmbH. Dass sich ein Tierarzt ausgerechnet mit ­digitalen Softwarelösungen selbstständig macht, war mehr eine ­logische Konsequenz als eine Berufung: „Wir hatten in unserer Tierarztpraxis immer das Bedürfnis, ­unkompliziert und vernetzt zu arbeiten, und stießen regelmäßig an unsere technischen Grenzen. Hier haben sich cloud­basierte Softwarelösungen nahezu angeboten.“ Heute sind im steirischen Unternehmen, das 2016 gegründet wurde, bis zu vier IT Spezialisten in der professionellen agilen Software Entwicklung tätig und neben den beiden Tierärzten auch noch ein Experte für Support- u. Vertrieb. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Mag. Rainer Greilberger, der ebenfalls Tierarzt ist, bietet Pauritsch Softwarepakete für die browserbasierte Praxisverwaltung an. Das unternehmerische Duo hat sich auf cloudbasierte Software für Kleintier- und Pferdepraxen sowie Kliniken spezialisiert, die mittels betriebssystem­unabhängiger Webbrowser von überall aus bedient werden kann. „Wir wollten die Bürokratisierung für Tierärzte erleichtern und die Zusammenarbeit unter KollegInnen stärken und fördern“, so Pauritsch. Der All-in-one-Ansatz mit einer kompletten digitalen Integration aller Prozesse sei ein großer Vorteil. „Unser kostenloses Basic-Paket bietet Services mit umfassender Mobilität sowie Flexibilität an, und das Ganze für eine unbegrenzte Nutzeranzahl und für beliebig viele Geräte“, streicht Pauritsch hervor.

Im kostenlosen Basic-Tarifsind für jede Tierärztin bzw. jeden Tierarzt enthalten:

• die Einkaufsplattform mit über 30 Lieferanten und 120.000 Produkten,

• die automatisierte Hausapotheke,

• die Zustellung elektronischer Lieferscheine (unabhängig ohne Großhändler, ARGE-TAM Standard und mittels EDITEL-Schnittstelle). Diese Vorgehensweise garantiert dem Tierarzt/der Tierärztin Rechtskonformität.

• die automatisierte Lagerverwaltung der Hausapotheke mittels elektronischer Lieferscheine (automatisch eingespielte Chargennummern) und eigener QR-Codes (unabhängig von Produkten und Herstellern) sowie eine Arbeitserleichterung und Optimierung durch den Einsatz von Scannern,

automatisierte Nachbestellungen, die individuell festgelegt werden und auch ohne Scanner in vollem Umfang durchgeführt werden können.

„Speziell durch unabhängige Standardschnittstellen und durch die direkte technische Anbindung an die Lieferanten ­arbeiten unsere Kunden immer mit den aktuellen Preisen. Bei Neuerungen werden automatische Updates durchgeführt, und es ist keine Wartung durch die Tierärztin oder den Tierarzt mehr notwendig“, so Pauritsch. Das genannte Basic-Paket ist mit zwei Varianten des Praxismanagers erweiterbar. Ein weiteres digitales Service, das den Arbeitsalltag in der Praxis vereinfachen soll und im Sinne einer verbesserten Patientenbetreuung lanciert wurde: Die elektronische Tiergesundheitsakte („etiga“), die auch von der Steirischen Wirtschaftsförderung als innovatives Projekt gefördert worden ist, speichert die Daten eines Tiers wie Röntgen- oder Laborbefunde ab und ermöglicht per Knopfdruck einen Informationsaustausch mit anderen Praxen (z. B. bei Überweisungen und Vertretungen). Einem Expertenaustausch zwischen Tierärzten soll trotz örtlicher ­Trennung somit nichts mehr im Wege stehen. „Dies erleichtert die Kommunikation bei der Befundung oder Therapiefestlegung. Und die Befürchtung, dass Tierärzte gegenseitig in Konkurrenz treten könnten, kann ich entkräften – ganz im Gegenteil, die Kunden schätzen es sehr, wenn eine zweite tierärztliche Meinung eingeholt wird. Der Vorteil ist: Sie bleiben bei ihrem behandelnden Tierarzt, der ihnen eine Zweitmeinung einholt – auch das gehört zu einer guten Beratung“, so Pauritsch. Und verrechnen würde ohnehin jeder Tierarzt seine eigene Leistung; dies müsse man dem Kunden nur vorab transparent darlegen.

Einblick und Zugang zu den Daten ihrer Vierbeiner bekommen die Tierbesitzer mittels einer App für TierbesitzerInnen: „Gleich, ob Diagnosen, Medikamente oder entsprechende Dosierungen oder Erinnerungen an Impfungen, kundenseitige Medikamenten-Nachbestellungen sowie Futtermitteln oder auch Terminvereinbarungen – dies kann man alles über unsere App abrufen bzw. durchführen“, streicht Pauritsch die Vorteile hervor. „Wir haben sie bereits in zwei Praxen bei rund 50 BesitzerInnen in Anwendung und sehr gute Erfahrungen damit gesammelt. Auch bei der Industrie stößt die App auf positive Resonanz. Als Nächstes sind Chatbots – also kleine digitale Assistenten, die die Terminassistenz abdecken oder gar Fragen von Tierhaltern automatisch rund um die Uhr beantworten können – angedacht. Nicht zuletzt stärkt alles zusammen die Kundenbeziehung“, meint Pauritsch, dessen Ziel es ist, die Tierärztin bzw. den Tierarzt im Mittelpunkt der Kommunikation zu halten und den Arbeitsalltag für alle Beteiligten zu erleichtern.

Ein besonderes Anliegen ist Pauritsch auch, eine Verbesserung auf dem Gebiet der Notdienstversorgung zu erzielen: „Wir sind gerade dabei, die App für TierbesitzerInnen um die Bereitstellung eines Notdienstes zu erweitern – dieses Service soll unkompliziert für TierärztInnen und TierbesitzerInnen abgerufen werden können.“ Hier können Tierärzte ihre Ordinationszeiten und Bereitschaftsdienste eintragen. Erstrebenswert wäre es, dass sich KollegInnen auf regionaler Ebene zeitlich abstimmen und so die Versorgung aufrechterhalten. „Es ist klar, dass die Qualität dieser Anwendung mit der Aktualität der Daten steht und fällt. Wir sind aber zuversichtlich, dass die Kollegenschaft den Vorteil für alle Beteiligten erkennt. Wir freuen uns jedenfalls darüber, dass bereits 70 Praxen mitmachen“, so der Unternehmensgründer, der die Digitalisierung im ­veterinären Sektor als Arbeitshilfe, Effizienzsteigerung und Zeitersparnis auffasst. Seinen KollegInnen rät er, „technologischen Innovationen aufgeschlossen gegenüberzustehen, denn sie erleichtern uns im ohnedies stressigen Arbeitsalltag das Leben“.

Infos unter: www.myjason.at