Internationale Initiative zur Eindämmung der Resistenz

gegen antimikrobielle Substanzen

Dr. Petra Weiermayer, Prof. Michael Frass, Dr. Thomas Peinbauer, Dr. Liesbeth Ellinger

Mit dem Ziel, Antibiotikamengen zu reduzieren, wird seit Längerem interdisziplinär geforscht: Nicht zuletzt ­aufgrund von jährlich 33.110 Todesfällen in der EU bedingt durch ­antibiotikaresistente Bakterien steht das Potenzial der Homöo­pathie und Phytotherapie aktuell im Fokus.

Die Autorenschaft dieses Artikels, bestehend aus zwei Humanmedizinern und zwei Veterinärmedizinerinnen, hat im Sinne von „One Health“ („eine Gesundheit“) einen narrativen Review mit dem Titel „Evidenzbasierte Veterinär-/Homöopathie und ihre mögliche Bedeutung für die Bekämpfung der Antibiotikaresistenzproblematik – ein Überblick“ verfasst, welcher in einem konventionellen Peer-reviewed Journal publiziert wurde.1

Neben der differenzierten Klarstellung der Faktenlage, die Evidenz für die Wirksamkeit der Human- und Veterinär-Homöopathie im Allgemeinen und im Speziellen bei homöopathischen Behandlungen von Infektionen zeigt, haben sie evidenzbasiert Kritik an der Vorgehensweise beim zweiten australischen NHMRC-Report (NHMRC: National Health and Medical Research Council) sowie beim ­EASAC-Statement (­EASAC: European Academies Science Advisory Council) geübt.2, 3

Diese Arbeit dient u. a. als Fundament für eine Kooperation mit Universitäten in Österreich, Deutschland und der Schweiz hinsichtlich Forschungsprojekten zur Evaluierung des Potenzials der Homöopathie und Phyto­therapie zur Antibiotikareduktion. Angesichts der Forderungen des Europäischen Grünen Deals („Farm 2 Fork“-Strategie) und der EU-Bio-Verordnung 2018/848,

1.) bis 2030 den Antibiotikaeinsatz EU-weit um 50 Prozent zu reduzieren4,

2.) bis 2030 die Anzahl der Biobetriebe in der EU von acht auf 25 Prozent zu steigern4,

3.) Homöopathie und Phytotherapie in Biobetrieben bevorzugt anzuwenden, bevor konventionelle Medikamente inklusive Antibiotika zum Einsatz kommen5,

erscheint die Anwendung u. a. dieser komplementär­medizinischen Fachdisziplinen im Sinne der integrativen ­Veterinärmedizin, also konventionelle und komplementärmedizinische Therapieverfahren miteinander zu ­verbinden („Best Practices“), zukunftsweisend.

Der narrative Review erörtert die Grundprinzipien der Homöopathie sowie ihre gesetzlichen und wissenschaftlichen Grundlagen. Weiters geht er hinsichtlich externer Evidenz zur Human- und Veterinär-Homöopathie im Allgemeinen gemäß entsprechend angewandter Suchstrategie auf alle verschiedene Indikationen umfassende Metaanalysen sowie bei Fokussierung auf die externe Evidenz zur Homöopathie bei Infektionen auszugsweise auf Studien der Evidenzstufen 1a, 1b und 2c ein. In ihrer Schlussfolgerung finden die Autoren klare Worte:

„Die aktuellen nationalen Gesetze (Schweiz, Österreich, Deutschland) und die EU-Gesetzgebung gewähren Qualität und Unbedenklichkeit homöopathischer Arzneimittel sowie Sicherheit lege artis durchgeführter homöopathischer Therapien.6–15

Evidenz für die Wirksamkeit der Human- und Veterinär-­Homöopathie im Allgemeinen und im Speziellen bei der Behandlung von Infektionen ist für weiterführende Forschungen in diesem Bereich hinreichend belegt. Fünf der sechs Metaanalysen zu verschiedenen Indikationen bis 2014 (siehe Tabelle 1) kamen zu dem Schluss, dass sich die Wirksamkeit der homöopathischen Therapie von Placebo unterscheidet.16–20 Nur der systematische ­Review mit Metaanalyse von 2005 sowie der zweite australische NHMRC-Report und das EASAC-Statement, wo jeweils mehr als 90 Prozent der Studien von der Analyse ausgeschlossen wurden, zeigten keine Wirksamkeit der Homöopathie über Placebo hinaus.21, 2, 3 Ein Review von 2013 bestätigte bereits, dass mehr als 90 Prozent aller Studien ausgeschlossen werden müssen, um folgern zu können, dass Homöopathie nicht wirksam sei.22 Besonders für die individualisierte Homöopathie sind Effekte auf allen Qualitätsstufen nach Cochrane-Kriterien erkennbar, auch in den methodisch hochwertigen Studien. Offenbar nicht wissenschaftliche Analysen führten folglich zu Fehlinformationen über die Homöopathie.23

Nebst Studien zum Wirksamkeitsnachweis der Homöo­pathie bei Infektionen zeigen Daten aus der Versorgungsforschung, sogenannte Real World Data, das Potenzial einer signifikanten Reduktion des Antibiotikaeinsatzes durch homöopathische Behandlungen auf (siehe Tabelle 2). Nicht zuletzt aufgrund der globalen Bedrohung durch die Antibiotikaresistenzproblematik bedarf es in der Human-Homöopathie genau wie in der Veterinär-Homöopathie dringend weiterer methodisch hochwertiger Studien.

Für die Qualitätssicherung weiterer Studien ist ­deren Durchführung an universitären Einrichtungen eine ­Voraussetzung, was erst durch die Integration der Komplementärmedizin inklusive Homöopathie an den Universitäten möglich werden kann. Diese absolut notwendige Konsequenz und Forderung im Sinne der Patienten wird durch die amerikanische Consensus Guideline zu universitärer Fortbildung in integrativer ­Veterinärmedizin bereits geltend gemacht und ist in der Schweiz gemäß Medizinalberufegesetz für Unterricht und Forschung an der Universität gesetzlich verankert. 24, 251

 

1Der Volltext des narrativen Reviews inklusive der drei Tabellen kann hier nachgelesen werden:

https://sat.gstsvs.ch/de/sat/sat-artikel/archiv/2020/102020/evidence-based-homeopathy-and-veterinary-homeopathy-and-its-potential-to-help-overcome-the-antimic.html

 

Referenzen:

www.tieraerzteverlag.at/fileadmin/images/IMAGES_11-2020/SAT_10_2020_Weiermayer.pdf