Parasiten bei Katzen und Hunden –

ist das noch ein Thema?

Univ.-Prof. Dr. med. vet. Anja Joachim, Dipl. EVPC
Institut für Parasitologie,
Veterinärmedizinische Universität Wien

Für TierbesitzerInnen ist das Thema Parasiten und damit zusammenhängende, auf den Menschen übertragbare Krankheiten aktueller denn je. Worauf man achten muss und welche Vorkehrungen man treffen kann, erfahren Sie in folgendem Bericht.

Parasitenbefall ist für TierbesitzerInnen nach wie vor ein Dauerthema in Internetforen, aber auch in der Telefonberatung des Instituts für Parasitologie der Vetmeduni Vienna. Die meisten Fragen drehen sich dabei um die Behandlungswürdigkeit und um das Zoonosepotenzial der nachgewiesenen Parasiteninfektionen sowie um die Prophylaxe.

Die am häufigsten nachgewiesenen Parasiten bei Hunden und Katzen sind Giardien. Häufig handelt es sich dabei um einen Befund, der ohne Hinweise auf eine klinisch auffällige Infektion (Durchfall, Flatulenz, Leibschmerzen) im Rahmen von Routineuntersuchungen gesunder Tiere, etwa im Rahmen von Untersuchungen für die ­Teilnahme an der Hundeschule, erhoben wird. Die derzeitigen Empfehlungen von ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) raten nur dann zu einer Behandlung von Hunden oder Katzen, wenn Tiere an Giardiose erkranken, da asymptomatische Ausscheidung sehr häufig ist und durch Reinfektion auch nach einer Therapie auftreten kann, sodass der Behandlungserfolg dann als gering anzusehen ist. Ausnahmen stellen Ausscheider dar, die eine Ansteckungsgefahr für empfängliche Tiere in unmittelbarer Nähe darstellen, z. B. in Zuchten oder Tierheimen; selten auch Menschen, wobei nur Klein­kinder oder Personen mit immunsupprimierenden Erkrankungen als ­Risikopersonen in Betracht gezogen werden, da die regel­mäßig zoonotischen Genotypen von Giardia duodenalis in Mitteleuropa bei Haustieren kaum nachgewiesen werden. Von den Zoonoseerregern ist Toxoplasma gondii ein von schwangeren Tierbesitzerinnen häufig erwähnter Parasit. Katzen infizieren sich überwiegend durch den Verzehr von Mäusen, die Toxoplasmenzysten in ihrem Gewebe tragen. Sie scheiden dann Parasiten für nur fünf bis sieben Tage aus – das bedeutet, dass der Nachweis von Toxoplasma-­Oozysten im Katzenkot nur selten erfolgt. Eine serologische Untersuchung gibt keine Auskunft darüber, ob die untersuchte Katze ein Risiko für die Übertragung darstellt, denn die Immunantwort auf Toxoplasma bezieht sich auf die Gewebestadien, nicht die Oozysten im Kot, die, sobald sie in der Umwelt voll ausgereift sind, eine Infektion beim Menschen verursachen können.

Bandwürmer bei Hunden und Katzen werden von Tier­besitzerInnen und TierärztInnen bezüglich ihrer Häufigkeit und Bedeutung unterschiedlich beurteilt. Als Krankheitserreger spielen sie bei den Endwirten Hund und Katze keine bedeutende Rolle (mit Ausnahme von „Schlitten­fahren“ aufgrund von Juckreiz durch ­Proglottiden am Anus), jedoch sind etliche Bandwurmarten potente ­Zoonoseerreger. Da die Ausscheidung von Proglottiden oder -eiern bei Fleischfressern nicht regelmäßig erfolgt, ist der zuverlässige Nachweis einer Infektion schwierig, daher sind auch aktuelle Prävalenzraten für Österreich nicht vorhanden. ESCCAP rät daher dazu, die Entwurmung gegen Bandwürmer vom jewei­ligen Risiko eines Tiers abhängig zu machen. Als Risiko­faktoren gelten der Verzehr von Mäusen, Rohfleisch­fütterung (inklusive Aufbruch oder Schlachtabfälle) und, im Zusammenhang damit, unbeaufsichtigter Aufenthalt im Freien (Freigänger­katzen). Beim Hund ist insbesondere ein Auslandsaufenthalt oder Import aus endemischen Gegenden ein Risiko, z. B. für Echinococcus granulosus, der in Mitteleuropa als getilgt gilt.

Unter den Rundwürmern bei Hunden und Katzen sind die Spulwürmer (Toxocara canis, T. cati) die bekanntesten. Eier können in großer Zahl ausgeschieden werden – diese Parasiten sind allerdings vorwiegend im Kot junger ­Tiere zu finden, da die Ansteckung bereits pränatal (Hund) bzw. galaktogen (Hund, Katze) erfolgen kann. Welpen können bei stärkerem Befall respiratorische Symptome (durch Wander­larven) und gastrointestinale Störungen ­entwickeln. Eine Immunität entwickelt sich im Laufe der Infektion bei Jungtieren, sodass erwachsene Tiere kaum mehr Eier ausscheiden. Toxocara-Infektionen beim Menschen sind nicht selten serologisch nachzuweisen. Toxocara-Eier benötigen eine Reifung in der Umwelt, bevor sie infektiös sind, daher besteht keine Ansteckungsgefahr durch ­frischen Kot, und auch Eier im Fell von Hunden sind kaum infektiös – ähnlich wie bei Toxoplasmen geht also die Ansteckungsgefahr von Fäkalien in der Umgebung, z. B. im Sand auf Spielplätzen, aus. Hakenwürmer (­Ancylostoma, Uncinaria) bei Hunden und Katzen ­werden galaktogen oder fäkal-oral als Larven übertragen und können bei schweren Infektionen auch Enteritiden und Durchfall sowie bei blutsaugenden Arten Anämie verursachen. Einige Vertreter dieser Nematoden ­können auch den Menschen infizieren. Bei erwachsenen Hunden kommt Trichuris, der Peitschenwurm, regelmäßig vor. Er gilt nicht als regelmäßiger Zoonoseerreger; wenn die Würmer im Dickdarm zahlreich sind, kann es zu einer hämorrhagischen Enteritis kommen. Eine auf koproskopischen Befunden basierende oder routinemäßige Entwurmung (viermal pro Jahr), wie von ESCCAP empfohlen, zielt auch auf die Reduktion von Wurmeiern in der Umgebung ab, sodass das Infektions­risiko für Tiere und gegebenenfalls Menschen gesenkt wird. Andere intestinale Rundwürmer von Hunden und Katzen werden eher selten diagnostiziert.

Von den Ektoparasiten spielen Zecken (als Vektoren verschiedener Viren, Bakterien und Protozoen ­saisonal und sehr häufig vorkommend!) und Flöhe (als Erreger der Flohallergiedermatitis) und Demodex-Milben die größte ­Rolle, seltener Raubmilben (Cheyletiella) oder ­Räudemilben (Sarcoptes scabiei beim Hund bzw. ­Notoedres cati bei der Katze). Gegen Zecken und Flöhe sollten routinemäßig Akarizide/Insektizide zur Prophylaxe eingesetzt werden, Milben­befall wird dagegen nach Dia­gnose behandelt. Gelegentlich werden Hunde oder Katzen auch von „exotischeren“ Ekto­parasiten befallen, etwa der Roten Vogelmilbe, Dermanyssus gallinae, der Tropischen Rattenmilbe, Ornithonyssus bacoti, den Lausfliegen der Wildwiederkäuer oder der Herbstgrasmilbe, Neotrombicula autum­nalis. In solchen Fällen ist häufig detektivische Diagnostik­arbeit nötig, um den Übeltäter zu identifizieren und eine spezifische Therapie einzuleiten. Bei Juckreiz ist jedenfalls eine differenzial­diagnostische Berücksichtigung von Ektoparasiten gefragt! Die geringe Wirtsspezifität vieler Ektoparasiten und das zoonotische Potenzial, v. a. von Flöhen und Räudemilben, sind ebenfalls zu berücksichtigen.

In den vergangenen Jahren werden zudem sogenannte Reiseparasiten mit zunehmender Häufigkeit diagnostiziert, allen voran der Herzwurm, Dirofilaria immitis, und Leishmania infantum, der Erreger der Leishmaniose. Beide verursachen chronische, häufig tödlich verlaufende und nur schwer therapierbare Infektionen und sind vektorüber­tragen, haben aber unterschiedliche Arthropodenwirte. Die Prophylaxe beruht bei D. immitis auf der regelmäßigen Anwendung gewebegängiger Anthelmin­thika zur Abtötung der nach Infektion im Gewebe migrierenden Larven und bei Leishmanien auf Vakzinierung, kombiniert mit repellierenden Insektiziden.

Der Hautwurm der Kaniden, Dirofilaria repens, ist in Ostösterreich endemisch; er verursacht weniger schwer­wiegende Erkrankungen als D. immitis und wird in der Routineprophylaxe kaum berücksichtigt, obwohl er ein nicht zu vernachlässigendes Zoonosepotenzial besitzt. Babesia canis wurde ehemals auch als Importparasit angesehen, ist aber inzwischen im Verbreitungsgebiet der Überträgerzecke Dermacentor reticulatus in Österreich bekannt. Die kanine Babesiose kann symptomlos bis tödlich verlaufen – der Zeckenprophylaxe kommt hier die größte Bedeutung in der Verhütung zu.