Bericht über den Vertrieb von Antibiotika in der Veterinärmedizin

in Österreich 2014–2018

Mag. Reinhard Fuchs, Univ.-Doz. DI Dr. Klemens Fuchs
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Fachbereich Integrative Risikobewertung, Daten und Statistik
Zinzendorfgasse 27, 8010 Graz

Die rechtliche Grundlage für die Datenerfassung ist die Veterinär-Antibiotika- Mengenströme-Verordnung. Im vorliegenden Bericht werden die Vertriebs- und die Abgabemengen von Antibiotika des Jahres 2018, die in der Veterinärmedizin für Nutztiere zugelassen sind, dargestellt und mit den Vorjahren verglichen. Die Gesamtvertriebsmenge an antimikrobiell wirksamen Substanzen für Nutztiere ist seit 2014 um 7 % zurückgegangen und liegt bei 49,85 Tonnen – jedoch hat die Verkaufsmenge 2018 im Vergleich zum Vorjahr deutlich (11,7 %) zugenommen. Die Vertriebsmenge der Antibiotika, die von der WHO als „Antibiotika von allerhöchster Bedeutung für die Humanmedizin“ eingestuft sind, hat von 2017 auf 2018 um 8 % (von 5,35 auf 5,79 Tonnen) zugenommen. Diese Wirkstoffgruppen haben über die Jahre einen relativ konstanten Anteil von rund 12 % an der Gesamtmenge

Im Vergleich zum Jahr 2017 kam es zu einer Zunahme der verkauften Gesamtmenge um 5,23 Tonnen. Das entspricht einer relativen Zunahme von 11,72 % (siehe Tab. 1). Nach wie vor werden mit 94 % mengenmäßig am meisten Antibiotika für die systemische Anwendung (QJ01) verkauft. In Abb. 1 ist die verkaufte Menge auf Basis des in der Fachinformation angegeben ATCvet-Codes dargestellt.

Betrachtet man die Art der Anwendung (siehe Abb. 2), so liegen die oral anzuwendenden Präparate zur Behandlung von Einzeltieren oder Gruppen von Tieren – diese umfassen Pulver, Tabletten und Pasten – mit 41,1 Tonnen (82,4 %) auch im Jahr 2018 weit vor den anderen Anwendungsformen. Die parenteral anzuwendenden Präparate liegen mit 6,1 Tonnen (12,3 %) an zweiter Stelle, gefolgt von den oral zur Bestandsbehandlung eingesetzten Fütterungsarzneimittel-Vormischungen (Prämix) mit 1,5 Tonnen (3,0 %). Die Gruppe der intramammären Anwendungen, denen auch die Trockensteller zugeordnet wurden, macht mengenmäßig 1,0 Tonnen (2,1 %) aus.

Bei den Vertriebsmengen getrennt nach Wirkstoffgruppen (siehe Tab. 2 und Abb. 3) ist nach wie vor Tetrazyklin mit 27,1 Tonnen (54,3 %) an erster Stelle, gefolgt von den Penicillinen mit erweitertem Spektrum mit 7,3 Tonnen (14,6 %), den Sulfonamiden mit 4,3 Tonnen (8,6 %) und den Makroliden mit 3,4 Tonnen (6,7 %). Die Einteilung der Wirkstoffe zu Wirkstoffgruppen erfolgte analog zu den Vorgaben der EMA. Zur Gruppe „Andere Antibiotika“ zählen dabei u. a. Rifaximin, Spectinomycin oder Paromomycin. Auswertungen zu den Wirkstoffgruppen der Makrolide, Fluorchinolone, „3. und 4. Generation Cephalosporine“ und Polymyxine werden auch gesondert in Kapitel 3.3 des Gesamtberichts dargestellt.

 

Tierärztliche Hausapotheken (HAPO)

Um zu untersuchen, wie sich die verkauften Antibiotikamengen auf die einzelnen Hausapotheken (HAPO) verteilen, ist in Abbildung 4 die kumulative Verteilung der Mengenanteile je HAPO an der Gesamtmenge dargestellt. Der sehr steile Anstieg der Kurve lässt darauf schließen, dass sehr wenige HAPO sehr große Mengen an Antibiotika beziehen. An der strichlierten roten Linie ist zu erkennen, dass 95 % der Antibiotika an 337 HAPO (rund 20 %) verkauft wurden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass 80 % der HAPO nur 5 % der Gesamtmenge beziehen.

Ergebnisse der Abgabemengenerhebung

In der Abgabemeldung müssen hausapothekenführende Tierärztinnen und Tierärzte angeben, welche Antibiotika in welcher Menge an welche landwirtschaftlichen Betriebe abgegeben wurden. Dieser Meldeverpflichtung sind insgesamt 572 von 1790 Hausapotheken für das Meldejahr 2018 nachgekommen. Die restlichen 1218 Hapo sind von der Meldeverpflichtung ausgenommen (z. B. reine Pferdepraktiker oder reine Kleintierpraktiker), haben keine Antibiotika abgegeben oder nicht gemeldet.

Von den oben erwähnten 337 Hapo (Top 95 %) haben 315 eine Abgabemeldung bzw. Leermeldung gemacht. Insgesamt wurden rund 39,4 Tonnen an landwirtschaftliche Betriebe abgegebene Antibiotika gemeldet. Die Differenz von circa 10,4 Tonnen (21 %) zur Meldung der Hersteller, Depositeure und Arzneimittelgroßhändler lässt sich durch die oben angeführten Gründe (Anwendung durch Tierarzt bzw. Tierärztin, Meldebefreiung, Nichtmeldung) erklären.

Speziesbezogene Auswertungen Neben der Angabe, an welche landwirtschaftlichen Betriebe Antibiotika abgegeben wurden, müssen die hausapothekenführenden Tierärztinnen und Tierärzte auch melden, für welche Tierart und Nutzungsart die Antibiotika abgegeben wurden. In Abb. 5 ist zu sehen, dass im Jahr 2018 mehr als drei Viertel der Menge für die Tierart Schwein abgegeben wurden, gefolgt von Rind mit 18 % und Geflügel mit 5 %.

Da sich die Tierbestände und Schlachtzahlen unterschiedlicher Tierarten voneinander unterscheiden, werden die Abgabemengen wie auch im ESVAC-Bericht [3] in Abb. 6 normiert dargestellt. In Abb. 6 sind die Abgabemengen für Schwein, Rind und Geflügel in mg/PCU dargestellt. Die jeweils linke Klammer gibt die normierte gemeldete Abgabemenge wieder. Die Summe der gemeldeten Abgabemenge ist, wie in Tab. 3 ersichtlich, um 21 % geringer als die gesamte Vertriebsmenge. Diese Differenz wurde für die jeweilige Tierart berücksichtigt und hochgerechnet in den rechten Klammern in der Abbildung dargestellt. Die in der Grafik dargestellten Werte sind in der Tab. 3 zu sehen. Diese Kennzahlen sind derzeit mit einer größeren Unsicherheit behaftet, da hier der AB-Einsatz beim Pferd und bei Heimtieren nicht berücksichtigt wird und der Anteil der Abgabe zur Anwendung für Rinder, Schweine und Geflügel nicht ident ist.

Abgabemengen für Schweine
In Tab. 4 sind die gemeldeten Abgabemengen für Schweine je Wirkstoffgruppe in Tonnen dargestellt. Eine Auf-teilung der Abgabemengen für Schweine nach Nutzungsarten ist in Tab. 5 dargestellt. Dies bedeutet zum Beispiel, dass ein Anteil von 33,7 % aller abgegebenen Antibiotika in der Schweinemast verwendet wurde.

Abgabemengen für Rinder
In Tab. 6 sind die gemeldeten Abgabemengen für Rinder je Wirkstoffgruppe in Tonnen und in Tabelle 7 anteilsmäßig in Prozent nach Nutzungsart dargestellt.

Abgabemengen für Geflügel
In Tab. 8 sind die gemeldeten Abgabemengen für Geflügel je Wirkstoffgruppe in Tonnen dargestellt. Analog zu den vorherigen Abschnitten (Abgabemengen für Schweine und Rinder) sind in der Tab. 9 die Abgabemengen prozentuell nach Nutzungsart für Geflügel dargestellt.

Diskussion

Im Jahr 2018 war die Vertriebsmenge von antimikrobiell wirksamen Substanzen für Nutztiere deutlich höher als in den beiden Vorjahren (+ 11,7 % gegenüber 2017). Auch die Vertriebsmenge jener Antibiotika, die von der WHO als „Antibiotika von allerhöchster Bedeutung für die Humanmedizin“ eingestuft sind, hat um 8 % (auf 5,79 Tonnen) zugenommen, das ist auf vermehrte Abgabe von Makro-liden und Polymyxinen zurückzuführen.

Auf Basis des österreichischen Erfassungssystems, bei dem Hapo ihre Abgabemengen je Betrieb, Tierart und Nutzungsart melden müssen, ist es möglich, speziesbezogene Auswertungen zu erstellen.

Der komplette Bericht ist als Download erhältlich:
www.ages.at/service