Krankheitsprävention in Afrika:

Universität Leipzig koordiniert "One Health"-Netzwerk

Mag. Silvia Stefan-Gromen

Die Prävention und das Management von Anti­biotikaresistenzen (AMR) – einer großen globalen Gesundheitsbedrohung – und vernachlässigten Tropenkrankheiten (sogenannten NTDs) bleiben vor allem in den Ländern Afrikas südlich der Sahara eine Herausforderung.

Um Antibiotikaresistenzen besser zu bekämpfen, müssen die Zusammenhänge zwischen menschlichen, tierischen und umweltbedingten Faktoren, die zu dem Problem ­beitragen, im Rahmen eines One-Health-Ansatzes aufgespürt werden. Diesen Zugang verfolgt das African One Health Network for Disease Prevention (ADAPT). Es soll in sieben afrikanischen Ländern südlich der Sahara in enger Zusammenarbeit mit staatlichen, lokalen und regionalen Akteuren die Voraussetzungen für ein verbessertes, nachhaltiges und lokal geführtes Management von Antibiotika­resistenzen sowie vernachlässigten Tropen­krankheiten (NTDs, Neglected Tropical Diseases) etablieren. 

Koordinator des Projekts ist Dr. Ahmed Abd El Wahed vom Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinär­wesen der Universität Leipzig. Im Fachjournal „Nature Medicine“ beschreibt er jetzt das ADAPT-Vorhaben: „Ziel unseres multidisziplinär und breit aufgestellten Projekts ist es, in den Ländern südlich der Sahara einen verantwortungs­vollen Umgang mit antimikrobiellen Mitteln aufzubauen und die Übertragung von Infektionskrankheiten durch einen One-Health-Ansatz zu verhindern“, so Dr. Abd El Wahed. 

Forschungseinrichtungen aus den sieben teilnehmenden Ländern dieses Netzwerks – Uganda, Senegal, Ghana, Nigeria, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien und Sudan – werden eine Vielzahl von biologisch-­medizinischen und soziokulturellen Faktoren definieren und analysieren sowie untersuchen, wie sich diese auf die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt in ­Afrika südlich der Sahara auswirken.

Gezielte Einbindung politischer Entscheidungs­träger
Die gezielte Einbindung lokaler, regionaler und staatlicher Stakeholder aus den teilnehmenden Ländern des Netzwerks über die gesamte Projektlaufzeit (2023 bis 2027) soll die fachliche Kompetenz der Stakeholder fördern und damit die Effizienz des Netzwerks insgesamt er­höhen. „Wir binden politische Entscheidungsträger und andere wichtige Stakeholder in den Gesundheitsministerien und in anderen Institutionen der Länder des Netzwerks in unsere Arbeit ein. So wollen wir sicherstellen, dass wir die Projektziele erreichen“, erklärt Dr. Abd El Wahed.

Im Rahmen des ADAPT-Projekts werden umfassende ­Arbeitspakete bearbeitet, die die Voraussetzungen für den verantwortungsvollen Umgang mit antimikrobiellen Mitteln in Afrika südlich der Sahara schaffen sollen; darunter sind:

  • das Screening auf Antibiotikaresistenzen bei Mensch, Rind und Geflügel, 
  • das Schaffen von Kapazitäten für die bedarfs­gerechte Diagnostik von Antibiotikaresistenzen und vernachlässigten Tropenkrankheiten mit mobilen Tests für den Feldeinsatz,
  • die Untersuchung der möglichen Veränderungen der Inzidenzen von AMR nach dem vermehrten Einsatz von antimikrobiellen Mitteln vor, während und gegebenenfalls nach der Coronavirus-Pandemie in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara,
  • die Kontrolle der Übertragung übertragbarer Krankheiten, insbesondere von AMR, durch Bewertung und Verbesserung bestehender Hygienepraktiken an der Schnittstelle zwischen Mensch, Tier und Umwelt sowie 
  • der Aufbau von Kapazitäten für eine nachhaltige Anleitung zum Umgang mit antimikrobiellen Substanzen.

Das Projekt ADAPT zielt darauf ab, die Fähigkeiten zur ­Anpassung an diese Herausforderungen weiterzu­entwickeln und die Schwachstellen bei der Prävention übertragbarer Krankheiten in den Ländern südlich der Sahara zu beheben.
Das ADAPT-Netzwerk ist Teil des durch das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsnetzwerks für Gesundheits­innovationen in Subsahara-Afrika (RHISSA).

Publikation
Nature Medicine: „An African One Health network for anti­microbial resistance and neglected tropical diseases“, doi: /10.1038/s41591-023-02666-0